Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
Auf den Spuren der Tempelritter

Auf den Spuren der Tempelritter

Eine völlig unwissenschaftliche Betrachtung

Eines möchte ich gleich vorwegnehmen: Es geht hier nicht um eine wissenschaftliche Spurensuche. Dazu gibt es genügend entsprechende Literatur von Menschen, die sich besser auskennen. Dies ist nur eine Beschreibung aus privatem Erleben.

Als ich mit meiner Familie noch in Deutschland lebte, interessierten mich die Tempelritter oder exakter die Ritter des Ordens „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“ herzlich wenig. Da hatten wir doch wirklich ganz andere Sorgen.

Warum es uns nach Spanien verschlug, will ich hier weglassen. An anderer Stelle meines literarischen Projektes sage ich mehr dazu. Jedenfalls fanden wir an der Costa Azahar, der Orangenblütenküste, zwischen Tarragona und Valencia eine neue Heimat.

Das rote Tatzenkreuz der Tempelritter und die mächtige Templerburg in Ponferrada - direkt am Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Als ich damals dort als Pilger vorbeikam, war die Burg leider gerade wegen Rekonstruktion geschlossen

Hinter unserem Haus beginnen schon die Ausläufer der Sierra de Irta, ein naturgeschütztes Hügelgebiet mit maximal 650 Metern Höhe, das sich entlang der Küste hinzieht. Schon bald entdeckten wir es als ideale Wandergegend. Und da sich unsere Wanderungen immer weiter erstreckten, entdeckten wir auch bald eine gut erhaltene Ruine einer Burg nahe dem Örtchen Santa Magdalena de Pulpis. Wenige Kilometer weiter gab es noch eine zweite, besser erhaltene, nahe am Städtchen Alcala de Chivert. Es handelte sich natürlich um Templerburgen. Doch halt! Wieso natürlich? An der spanischen Mittelmeerküste gab es jedenfalls keinen Pilgerweg. Doch wenn man einen solchen Gedanken erst einmal verfolgt, ist es nicht schwierig in heutiger Zeit, schnell an weitere Informationen zu kommen ...

Noch heute heißt es "das Gebiet der Meister"

Wenn man sich nur ein kleines Stück von der Küste wegbewegt, sagen wir mal so fünfzehn bis hundert Kilometer vielleicht, dann ist man hier schon in einem Gebiet endloser Berge. Sie erreichen mit dem Gipfel des Penyagolosa über 1.800 Höhenmeter. In weiten Teilen nennt sich dieses Gebiet Maestrazgo, und zwar der Untere und der Obere Maestrazgo. Die Tempelritter, von denen wir ja reden wollen, verstecken sich in diesem Begriff. Maestrazgo heißt übersetzt „das Gebiet der Meister“. Und der höchste erreichbare Grad in der Ordensdynastie der Tempelritter war der Titel „Großmeister“. Diese standen jeweils an der Spitze des Ordens. Doch was hatten die Ordensritter hier, an der Costa Azahar zu suchen? Pilgerwege, wie bereits gesagt, können sie nicht hierher gelockt haben.

Eine von mehreren Templerburgen entlang der Mittelmeer-Küste ist die gut erhaltene Burg von Santa Magdalena de Pulpis, einige Kilometer südlich von Peniscola

Ein Kampf, der viele Jahrhunderte dauerte

An anderer Stelle habe ich bereits berichtet, dass die Tempelritter kein besonderes Interesse am Schutz der Pilgerwege bekundeten. Sie fühlten sich zu Höherem berufen, zum Beispiel zum Schutze des Christentums generell. Da gab es natürlich gerade in Spanien eine Menge für sie zu tun. Spanien war seit dem Jahre 711 von den Muslimen beherrscht. Es sollte beinahe 800 Jahre dauern, bis die letzte Bastion der Mauren, das Kalifat Granada, zurückerobert wurde. Es war eine Auseinandersetzung, die sich über die Jahrhunderte hinzog, mal ruhte, mal weniger oder mehr Intensität erreichte und die später in der Geschichtsschreibung als Reconquista, Rückeroberung, bezeichnet wurde. Die Templer erkannten, dass hier eine große Gelegenheit bestand, an der Geschichte mitzuwirken. Also halfen sie beim Kampf gegen die muslimische Herrschaft. Das blieb naturgemäß nicht ohne Lohn. Zuerst erhielten die Templer Städte übereignet, später, etwa ab 1130, schon ganze Ländereien.

Links der Hauptturm der Templerburg von Peniscola und ein Ausschnitt der Befestigungsanlage rund um die Burg (alle Fotos vom Autor)

Hier also schließt sich der Kreis. Das Untere und das Obere Maestrazgo mitsamt den darin befindlichen Städten und Dörfern gehörten zu jenen Ländereien, die von spanischen Königen an die Helfer im Kampf gegen die Mauren freizügig als Lohn verteilt wurden. Auch Ortsnamen weisen heute noch auf diese Besitzverhältnisse hin. In unserer Nachbarschaft gibt es einen Ort namens Cervera del Maestre, also ... von den Meistern. In Peñiscola selbst, wo unsere zweite Heimat ist, gibt es ebenfalls eine berühmte Templerburg, die zwischen 1293 und 1307 auf den Ruinen einer einst maurischen Festung errichtet wurde. Die Geschichte von den Tempelrittern ist also zum Greifen nah. Und wenn Fiesta ist in Peñiscola, jedes Jahr im September, dann kann sie jeder auch sehen: An den beiden letzten Tagen gibt es jeweils ein großes Spektakel – der Einzug und der Auszug der Morros und Christianos. Fast zwei Stunden lang marschiert dann Geschichte pur in wunderbar farbigen Kostümen durch die Straßen der Stadt am Meer und symbolisiert den Kampf der Christen gegen die Mauren auf eine äußerst lebendige, lärmende, aber nunmehr jederzeit friedliche Weise.

PS

Nach oben


nPage.de-Seiten: kajol82rani's Creativs | Links