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Cati im Maestrazgo

Unterschätze nie einen Ort, den du nicht kennst

Zuerst etwas zu der Gegend, in der wir uns bewegen, sobald unser Ausflug nach Cati führt. Es handelt sich dabei geopolitisch um den sogenannten Maestrazgo. Doch das ist nur ein Name für ganz unterschiedliche Gebiete. Es gibt eine Comarca (Landstrich, hier aber treffender Verwaltungseinheit), die direkt den Namen Maestrazgo trägt, ein Gebiet in Aragonien im Osten der Provinz Teruel mit dem Hauptort Cantavieja. Weitere fünfzehn Gemeinden zählen dazu. Diese Verwaltungseinheit ist historisch jung, existiert erst seit 1999. Darüber hinaus gab es schon seit 1985 drei weitere Comarcas, die als Unterer Maestrazgo mit dem Hauptort Vinaroz, als Oberer Maestrazgo mit dem Hauptort Albocacer und als Los Puertos de Morella ein Gebiet bildeten, das landläufig als Maestrazgo bezeichnet wurde.

Das Gebiet der Meister

Der Name "Maestrazgo" wird oft erklärt mit dem gleichnamigen Höhenzug in der Provinz Teruel, der sich bis in die Provinz Castellon erstreckt. In Wirklichkeit geht Maestrazgo auf den Begriff der „Meister“ (maestre – also das Gebiet der Meister) zurück, da diese Territorien samt ihren Städten und Dörfern Schenkungen der spanischen Könige an die Templer und andere Orden waren wegen deren tatkräftiger Hilfe bei der Rückeroberung der muslimisch besetzten Gebiete. Sie standen also unter der Gerichtsbarkeit der Großmeister von Militärorden der Templer, San Juan und Montesa. Noch heute weisen Ortsnamen ausdrücklich darauf hin: Ares del Maestre, Horta de San Juan, Cervera del Maestre.

Gesamtansicht von Cati im Maestrazgo (alle Fotos auf dieser Seite vom Autor)

Das alles sagt jedoch nichts aus über die landschaftliche Schönheit und Vielfältigkeit dieses Gebietes, das geprägt ist von sanften hügeligen Abschnitten ebenso wie von schroffer, wilder Natur. Die ganz großen Berge findet man hier nicht. Der Penyagolosa ist mit immerhin 1831 Metern die höchste Erhebung. Was man jedoch auf alle Fälle findet, ist Ruhe vor der Hektik des Alltags. Und man findet in den Dörfern und kleinen Städten freundliche, bescheidene Menschen, die mit der oft atemberaubenden Natur und jahrhundertealter Kultur und Tradition in Harmonie leben.

Die Kirche mit der eigenwilligen Turmuhr und die Casa de la Villa

Durch Cati sind wir oft hindurchgefahren. Das Dorf bietet auf den ersten flüchtigen Blick nichts Besonderes. Es war mehr ein Zufall, der uns schließlich näher in die „Geheimnisse“ von Cati eindringen ließ. Es gibt im Land Valencia eine Stiftung namens La Luz de las Imágenes (das Licht der Bilder). Sie widmet sich der Wiederherstellung, Intervention (d.h. Kunst im öffentlichen Raum) und Verbreitung des historisch-künstlerischen Erbes der Communidad Valenciana. Seit 1999 waren etwa 930 Restauratoren, 160 Architekten und Ingenieure, 42 Archäologen und mehr als 500 Historiker damit beschäftigt, bewegliche und unbewegliche historische Objekte zu restaurieren und der Öffentlichkeit durch Ausstellungen und Workshops zugänglich zu machen. In den Jahren 2013 und 2014 war neben Culla, Benicarlo und Vinaroz unter dem Titel „Puchra Magistri“ auch Cati ausgewählt. Über die wechselvolle Geschichte des Ortes mit menschlicher Gegenwart bereits in der Vorgeschichte (Höhlenmalereien), nachweislichen Ansiedlungen der Iberer und Römer und unter der muslimischen Herrschaft und danach will ich hier nicht berichten. Das kann jeder mit wenig Mühe selbst im Internet erkunden.

Der hintere Eingang zur Kirche mit der Sonnenuhr und rechts die Decke der Kommunionkapelle mit herrlichen Wandmalereien

Das auffälligste Bauwerk in Cati ist – wie fast in jedem spanischen Dorf – die Kirche mit ihrem hohen Turm und der etwas eigenwillig angebrachten Uhr. Sie steht nicht frei, sondern grenzt an die Häuserzeile der Hauptstraße des Ortes an. Zur Straße hin bietet sie ein schönes romanisches Portal aus dem 13. Jahrhundert. Als ob man dieses schonen möchte, muss man die Hauptstraße verlassen, um die Kirche der Himmelfahrt betreten zu können. Durch eine kleine Gasse gelangt man auf einen überraschend großzügigen Platz hinter der Kirche. Den Zugang zu ihr schmückt eine Sonnenuhr, die neben der üblichen Stundenmarkierung auch noch die Zeichen des Tierkreises zeigt. Doch das Innere ist die eigentliche Überraschung. Schon die einschiffige Kirche, angelehnt an den venezianisch-gotischen Stil, ist sehenswert mit ihren Altarstücken von San Lorenzo und San Pedro Mártir (1460 gemalt), ebenso die bemerkenswerte Sgraffito-Decke (besondere Ritz- und Kratztechnik im Putz).

Altarraum der einschiffigen Kirche

Das alles übertrifft jedoch die sogenannte Kommunionskapelle, die einfach überwältigend auf den nichts ahnenden Besucher wirkt. Es ist in diesem Gewölbe kaum ein Platz zu entdecken, der nicht mit wunderschöner, farbiger Wandmalerei dekoriert wäre. Das in einem Ort zu finden, der kaum über die Grenzen seiner Provinz hinaus bekannt ist, war eine wirkliche Überraschung. In diesem Raum hätte man noch ewig verweilen können, aber es gab ja noch mehr zu besichtigen. Der Kirche unweit gegenüber befindet sich das gotische alte Rathaus von Cati aus dem Jahre 1428. Eine Arkadengalerie bildet das Untergeschoss. Historisch diente es vielerlei Zwecken wie Markt und Schlachthof. Die obere Etage mit der wunderbaren Haupthalle mit Kassettendecken war die Casa de la Villa. Hier fanden Ratssitzungen statt, und selbst die Kunst fand mit der Aufführung von Komödien eine Bleibe. Es gibt in Cati noch einige schöne mittelalterliche Gebäude anzuschauen, die alle vom ehemaligen Reichtum ihrer Besitzer und Erbauer künden. Grundlage dafür war vor allem die Produktion von Schafwolle im 14. und 15. Jahrhundert. Sie wurde bis in die Toskana exportiert.

Hauptsaal der Casa de la Villa

In der Umgebung von Cati findet der interessierte Wanderer noch einige schöne Ermitas, die ebenfalls einen Besuch lohnen.

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