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Culla und der Riesenbaum

Endlich ein Besuch, der nicht an der Oberfläche blieb

Culla kannte ich schon durch zwei Besuche, die jeweils flüchtiger Natur waren, weil Culla nicht das eigentliche Ziel darstellte, sondern sozusagen auf dem Weg lag. Culla befindet sich im Alto (hohen) Maestrazgo, im Gebiet der Meister (Ordensmeister). Mit deren Geschichte ist auch die Geschichte Cullas eng verbunden. Ursprünglich arabisch, gelangte es im Zuge der Reconquista (Rückeroberung) in den Besitz des legendären Templerordens. Die Zerschlagung dieses reichen und einflussreichen Ordens durch den französischen König mit Billigung des Papstes sei hier nur am Rande erwähnt, führte jedoch zur Enteignung und zur Besitzübernahme durch den Montesa-Orden. Rund um Culla, das heute etwa 800 Einwohner zählt, sind auch Spuren nachweislich, die auf eine wesentlich frühere Besiedelung – u.a. durch die Iberer – hindeuten.

In Culla scheint alles aus Stein zu sein

Die früheren Besuche blieben im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich. Die Kirche zum Beispiel war immer verschlossen (Später erfuhr ich, dass man sich den Schlüssel im Rathaus hätte holen können.) Gebäude, die zur Besichtigung offen standen, gab es keine. Also begnügten wir uns mit dem Besuch in einem wunderbaren Antiquariat, das von einem Plateau aus gleich neben der Kirche zugänglich war. Und natürlich streiften wir durch die Gassen der schönen Altstadt, die ein historisch-künstlerisches Ensemble bildet und als solches auch anerkannt ist.

Malerische Altstadtgassen in Culla (alle Fotos dieser Seite vom Autor)

An anderer Stelle (Cati im Maestrazgo) berichtete ich bereits über eine valencianische Stiftung, La Luz de las Imagenes, die sich der Restauration wertvoller Kulturgüter verschrieben hat. In den Jahren 2013/14 waren es Objekte in Cati, Culla, Vinaros und Benicarlo. Das gab uns nun die einmalige Gelegenheit, nach Cati auch Culla näher unter die Lupe zu nehmen, das heißt, restaurierte Gegenstände und Gebäude des Ortes zu besichtigen. Und mit einer Führung kamen wir nun endlich auch in die Priesterkirche von Salvador, Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut auf den Resten einer älteren Kirche, mit einer gotischen Statue El Salvador aus dem 15. Jahrhundert und einem Altarbild mit einer Darstellung des San Roque (16.Jh.). Darüber hinaus ging die Führung durch weitere historisch interessante Gebäude mit einer sehenswerten Ausstellung und ins Gefängnis, das man in seiner Kargheit und seinen Foltermitteln zu mittelalterlichen Zeiten bestimmt nicht von Innen sehen wollte. Wie bei den meisten spanischen Dörfern befinden sich auch in der unmittelbaren Nähe von Culla Ermitas (kleine Kirchen, die aus Einsiedeleien hervorgegangen sind), die allein schon wegen ihrer oft romantischen Lage immer einen Abstecher lohnen.

Die riesige Steineiche in der Nähe von Culla - ein Baumdenkmal

Letzteres führte uns auch auf der Straße von Culla nach Torre d´en Besora, etwa vier Kilometer von der Stadt entfernt, zur La Carrasca de Culla, einer rund vierhundert Jahre alten imposanten Steineiche. Man glaubt, sich einem kleinen Wäldchen zu nähern, und erst in unmittelbarer Nähe erkennt man, dass es sich nur um einen einzigen Baum handelt. Er steht in der Masia Bassa direkt an der Sraße und wurde natürlich zum Baum-Denkmal der Comunidad Valenciana erklärt und unter Schutz gestellt. Mit zwanzig Metern Höhe, sieben Meter Stammumfang und einer Ausdehnung von 35 Metern soll er geschätzte 75 Tonnen wiegen. Ganz in der Nähe befindet sich das Restaurant La Carrasca mit guter landestypischer Küche.

Knapp sieben Meter Stammumfang und ein wahrscheinliches Gewicht von 75 Tonnen

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