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Ein Fischereihafen an der Küste der Orangenblüte

Ein Fischereihafen an der Küste der Orangenblüten

Peñiscolas Fangflotte gehört zu den aktivsten der Region

Wenn man sich aus südlicher Richtung, also vom Südstrand her, der Altstadt von Peñiscola nähert, bemerkt man ihn sofort - den Fischereihafen. Obwohl Peñiscola ein durch und durch touristischer Ort ist mit etwa achttausend Einwohnern im Winter und über 120.000 Gästen im Sommer, arbeitet hier in langer Tradition eine höchst aktive Fischfangflotte. Woher soll er sonst auch kommen - der Fisch und anderes Meeresgetier in allerlei äußerst schmackhaften Varianten in den zahlreichen Lokalen der Altstadt?

Fischkutter läuft in den Hafen von Peniscola ein Moderner Fischkutter an der Hafeneinfahrt

Ackerbau, Obstanbau und Fischfang haben hier, an der Costa Azahar, der Küste der Orangenblüte, über Generationen die einheimischen Familien ernährt. Heute ist das nicht mehr ausschließlich so. Längst hat die Tourismusindustrie die Oberhand gewonnen und gibt den meisten Menschen hier Arbeit und Lohn. Sonst wäre Peñiscola vielleicht immer noch ein zwar ungemein reizvoll gelegenes, aber verschlafenes kleines Fischerdorf wie in den sechziger Jahren. Nicht wenige meinen, das wäre besser so geblieben, aber die Zeit lässt sich bekanntlich nicht zurückdrehen. Der modernere Teil der Stadt, der nicht auf dem Fels im Meer, sondern auf dem Festland liegt, ist ausgewuchert bis hin zur Nationalstrasse und auf fast alle Hügel in unmittelbarer Umgebung. Entlang des wunderbaren Strandes von mehr als sechs Kilometer Länge bis nach Benicarlo, dem Nachbarort, steht inzwischen Hotel neben Hotel. Bis auf eine unrühmliche Ausnahme hält sich glücklicherweise die Zahl der Etagen und damit die Höhe der Gebäude in einem gerade noch vertretbaren Rahmen.

In mehreren Reihen liegen Fischkutter am Pier Neugierige Touristen bestaunen die Boote

Wenn der Besucher vom Hafengelände her erst über eine hölzerne Brücke und dann durch das Stadttor Portal de Sant Pere nach oben zur Templerburg geht, kommt er auch – falls er sich immer rechts hält – auf einen idyllischen Platz. Er lädt mit einigen Bänken zum Verweilen ein, bevor es höher hinauf geht - zur Burg. Ein paar Pinien spenden Schatten, eine alte Kanone – wohl noch aus der Piratenzeit – weist aufs Meer hinaus. Gegenüber begrenzt ein altes Gebäude, Les Costures genannt, den Platz. An der Haupttür, die hineinführt, steht: Meeresmuseum. Es ist nicht groß, dieses Museum, ein langgestreckter Raum und etwas abgeteilt am Ende einige wenige Aquarien mit typischen Meeresbewohnern der kleineren Art. Doch trotz der Begrenztheit ist es ein fantastischer Ort, der Auskunft gibt über das Meer, seine Bewohner, die Tradition des Fischfangs, und zwar ganz authentisch hier, in Peñiscola, an der Costa Azahar. Diesen Besuch sollte sich jeder interessierte Gast gönnen. Es kostet nichts!

Auf Rollwagen wird der Fang in Kisten gestapelt In blauen Plastikkisten wird der Fang sortiert

Doch zurück zum lebendigen Hafen! Neben Peñiscola gibt es auch in den Nachbarorten Richtung Tarragona weitere aktive Flotten: Benicarlo, Vinaroz und Sant Carlos de la Rapida schicken ihre Fischer ebenfalls aufs Meer, und noch reicht der Fisch für alle. Die letztgenannten Orte verfügen auch über attraktive Yachthäfen. Damit kann Peñiscola leider nicht dienen. Mehr als einen langen, hölzernen Steg, an dem zu beiden Seiten Motor- und Segelboote bescheidenen Ausmaßes liegen, kann der geschützte Bereich des Fischereihafens nicht bieten und wohl auch nicht abgeben. Eine massive, langgezogene Mole wehrt zwar effektiv die Gewalt von Sturm und Wasser ab, begrenzt auf der anderen Seite natürlich auch den Platz, der den Schiffen und Booten vorbehalten ist. Der Bau eines eigenständigen Yachthafens etwas weiter südlich an der Küste von Peñiscola ist umstritten und schon viele Jahre im Gespräch. Die augenblickliche Krise jedoch ist bestimmt nicht förderlich, das schon vorhandene, ehrgeizige Projekt weiter voran zu treiben. Doch das ist auch ein anderes Thema.

Der Fang in den Kisten liegt bereits auf Eis Von Hand zu Hand werden die Kisten ans Ufer gereicht

An jedem Wochentag kehren gegen 16.00 Uhr die Kutter der Fangflotte zum Hafen zurück. Jetzt beginnt für den eingeweihten Besucher eine aufregende Zeit: Zuerst kann man die lange Mole entlang laufen, den höchsten Punkt an ihrer Spitze ersteigen und zuschauen, wie die Boote in guter Sichtweite mit flottem Tempo vom offenen Meer zurückkehren und um den kleinen Turm am Ende der Mole herum in den Hafen mit gedrosseltem Tempo einbiegen. Dann geht man schnell zurück - besser noch hat man ein Fahrrad zur Hand - und kommt mit den Kuttern etwa zeitgleich am Pier an. Jetzt kann man in Ruhe zuschauen, wie sie in mehreren Reihen neben- und  hintereinander anlegen und routiniert in intensiver, schneller Arbeit verschiedene Arten Fisch, Krebstiere und Muscheln anlanden.

Noch auf den Booten werden die Netze geprüft Sorgfältig werden nach dem Fang die Netze geprüft

Noch auf den Kuttern werden die Netze sortiert und kontrolliert. Die Fische und anderes Meeresgetier wurden bereits auf dem Meer nach Sorten in bereitstehende flache Kisten gepackt. Sie werden nun an Land gebracht  und mit großen Rollwagen zur Lonja gefahren. Die Lonja ist eine Warenbörse – in diesem Fall ausschließlich für die Fische. Es ist eine große Halle mit Laufbändern, auf denen jetzt die Kisten mit den Fischen bewegt werden. Abgetrennt, auf einer Seite der Halle, befindet sich eine Art Tribüne. Hier warten schon die Händler, die Einkäufer, bewaffnet mit elektronischen kleinen Geräten, mit denen sie sofort bieten können für das, was auf dem Laufband Schlag auf Schlag vorbeikommt. Selbstverständlich erhält immer der Höchstbietende den Zuschlag. Wenn man sich ein wenig auskennt, kann man einer solchen Versteigerung durchaus zuschauen. Man setzt sich einfach wie selbstverständlich dazu. Es gibt hier keinen Sicherheitsdienst, der argwöhnisch jeden Fremden abwehrt. Wenn man keinem den Platz stiehlt und sich auch sonst angemessen und ruhig verhält, stört man hier niemanden. Es ist wirklich ein bereicherndes Erlebnis. Und man bekommt eine Ahnung davon, warum ausgerechnet die Fischgerichte in den Restaurants der Altstadt nicht unbedingt zum Preiswertesten zählen, was die örtliche Gastronomie so zu bieten hat. Die Fischer müssen vom Fischfang leben können. Das ist heutzutage schwieriger geworden. Die Meere sind überfischt, die Erträge nicht mehr so reichhaltig wie noch vor Jahrzehnten. Die Kosten explodieren, wenn man nur an den Treibstoff für die Dieselmotoren der Fischkutter denkt. Ich habe viele Männer gesehen auf den Kuttern und im Verhältnis dazu nur wenig Fisch. Nie habe ich erlebt, dass die Fischer einen neugierigen Touristen, der beim Anlanden vielleicht ein wenig im Wege herumstand, angeschrieen oder verjagt hätten. Das gehört wohl auch zur spanischen Mentalität und besonders der Menschen hier an der Costa Azahar: Geduld, mañana, man kommt trotz aller Widrigkeiten irgendwie zurecht – das Leben ist, wie es ist.

Peter Schumann

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