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Ein traumhafter Besuch in Peters Garten

Das Refugio des Künstlers Peter Buch ist offen für jeden Neugierigen

 
Eigentlich wollten wir an jenem Tag nur zum Kloster Santa Maria de Benifassar. Es handelt sich dabei um eine ausgedehnte Klosteranlage in der Provinz Castellon, in der Comarca Bajo Maestrazgo - ursprünglich vom Zisterzienserorden gegründet. Sie weist eine wechselvolle Geschichte auf mit der Besonderheit, dass sie sozusagen noch oder besser gesagt wieder „in Betrieb“ ist. Das bedeutet auf der anderen Seite natürlich gewisse Einschränkungen bezüglich der Besuchsmöglichkeiten. Im konkreten Fall heißt das: nur jeweils am Donnerstag von 13.00 bis 15.00 Uhr.
Nun – am vom Kloster selbst festgelegten Wochentag ließ sich also nichts ändern. Wir wollten jedoch auf keinen Fall die Zeit am Vormittag ungenutzt verstreichen lassen und unsere Exkursion erst so spät beginnen. Zum Glück liegt auf dem Weg zum Kloster der Stausee von Ulldecona. Er bietet neben dem herrlich romantischen Fahrweg dahin auf schmaler Teerstraße immer an felsigen Abgründen entlang und durch zwei kleine Tunnel auch immer Gelegenheiten für eine kleine Rast und zum Füßevertreten. Warum er namentlich Ulldecona zugeordnet wird, obwohl er viel näher am Städtchen Senia liegt, hat vielleicht etwas mit den Besitzverhältnissen zu tun. Landwirte aus Ulldecona vom katalanischen Ufer des Flusses La Senia finanzierten den Bau der Talsperre. Eine Überraschung lieferte uns der Blick vom 54 Meter hohen Damm gleich noch dazu: Das Staubecken, das sich über drei Kilometer weit in die Berge hineinwindet, war bei unserer Ankunft so gut wie leer! Kaum noch Wasser zu sehen von den elf Millionen Kubikmetern, die maximal hineinpassen. Zwar ist es interessant, wenn am Grunde des Sees die Häuser und Wege wieder auftauchen, die einstmals trocken lagen, bevor das Tal geflutet wurde, doch es stimmt auch traurig. Der Stausee hat ja eine gewisse Bedeutung für das Wohlergehen des ganzen umliegenden, zum Teil immer noch durch Landwirtschaft geprägten Gebietes.
 
Der Stausee von Ulldecona so gut wie leer Blick von der Brücke in den leeren Stausee von Ulldecona
Blick auf den Stausee von Ulldecona, der auf dem Wege liegt und so gut wie leer ist.
 
Wir setzten unsere Fahrt nach Überqueren der Brücke am Ufer des linken, nunmehr gleichfalls ausgetrockneten Ausläufers fort – höher hinauf in die Berge. Die nächste Kreuzung vor uns erforderte eine Entscheidung: Rechts ging es zum Kloster und zum hoch gelegenen Ort Fredes, geradeaus zum Örtchen La Puebla de Benifassar mit der Möglichkeit eines kleinen Umweges linkerhand zum Dörfchen El Ballestar. Für das Kloster war es noch viel zu früh, also erlaubten wir uns erst einen Abstecher zum sehenswerten Dörfchen Ballestar, wo noch eine der wenigen, authentischen Kirchen zu finden ist, die noch aus der Zeit der Reconquista stammen. Dann fahren wir weiter Richtung La Puebla de Benifassar.
Kurz vor dem Ort, an einer kleinen Brücke, zweigt rechts ein heller, schmaler, offenbar ganz frisch gegossener Betonweg ab. Direkt an der Brücke weist ein gemaltes Schild auf den „Garten von Peter“ hin. Ich hatte schon einmal versucht, mit Gästen diesen ominösen Garten zu erkunden. Es scheiterte damals daran, dass das Tor nicht geöffnet war. Kein Grund, es nicht erneut zu versuchen, zumal die Zufahrt zum Garten nun perfekt ist und nur wenige Meter mißt.

Es ist natürlich viel mehr als ein Garten

Das bereits künstlerisch gestaltete Entré in Form einer einladenden Bank und einer Treppe, die nach oben zum eigentlichen Eingang führt, kannte ich schon. Es erinnert schon hier an den von Gaudi gestalteten Park Güell in Barcelona, zumindest was die Verwendung von vielfarbigem Fliesenbruch und Fantasieformen betrifft. Später denkt der kunstinteressierte Besucher vielleicht hin und wieder auch an den Künstler Hundertwasser. Doch solche Vergleiche führen zu nichts, denn der Künstler Peter Buch passt weder in die eine, noch in die andere Schublade. Wozu auch? Am Ende der Treppe angekommen, erwartete uns eine nette Überraschung: Der Garten von Peter war offen. Ein kleines Schild forderte dazu auf, unbefangen einzutreten und sich umzuschauen und dem Künstler eine kleine Spende von wenigstens zwei Euro zu übergeben. Unten am Tor, wo der Garten beginnt, der weitläufig am Hang eines Berges liegt, glaubt der Gast noch an einen angemessenen Preis. Je weiter er auf schmalen, gewundenen Pfaden nach oben gelangt, relativiert sich das schnell, und am Ende erweist sich die geforderte Gabe doch als sehr  bescheiden.

In Wirklichkeit betrittst du ja keinen Garten im üblichen Sinne. Es ist von Anfang an viel mehr: Du trittst ein in die Seele eines Menschen, eines Künstlers, der mehr als zwanzig Jahre lang hier sein innerstes Wesen nach außen kehrte und in Farben, Formen und Materialien direkt in die großartige Natur der Gebirgsregion Tinença de Benifassar goß.

 
Eingangstreppe zum Garten von Peter mit einem Schild Wohnraum mit Bürotisch in Peters Garten
Blick auf Peter Buchs Hauptgebäude am Berghang Detail vom Hauptgebäude in Peters Garten
 
Im Uhrzeigersinn: Der Eingang zu Peters Garten, der Haupt-Wohnraum, der zugleich Büro und Galerie ist, ein Gesamtblick auf das Hauptgebäude und letztendlich ein Weg, der zum Wohnhaus führt (alle Fotos vom Autor)
 
Ich will mich, was die Objekte betrifft, die man zu sehen bekommt, nur auf eine kleine, unvollständige Aufzählung beschränken. Ich hoffe sehr, die Fotos vermitteln einen umfassenderen Eindruck, als es jede Erklärung vermag.
Das wohl größte Projekt ist das Wohnhaus des Künstlers, der sich nach seiner eigenen Aussage fast das ganze Jahr hier aufhält. Es ist eine Villa Kunterbunt aus Beton, Stein, Keramik, Glas und Holz – und diese Aufzählung ist bestimmt nicht vollständig. Es gibt einen Wohnraum mit offenem Verschlag, der die winzige Küche beherbergt. Eine kleine gewundene Treppe führt hinab zum Schlafraum. Hier ist sogar Platz für ein richtig großes Bett. Wenn man das Haus verlässt und den vielen kleinen, gewundenen Wegen folgt, die sich kreuz und quer am Berghang entlang ziehen, stößt der Besucher immer wieder auf überraschende Bauwerke wie kleinere und größere Hütten oder künstlerische Objekte dazwischen. Die Hütten dienen zum Beispiel als Bildergalerie, als Bar, als Museum, als  Meditationsraum; eine besitzt einen kleinen Aussichtsturm, eine andere eine Liegestatt zum Ausruhen oder Übernachten und so weiter. Wobei „Hütten“ bestimmt nicht der treffendste Ausdruck ist für diese skurrilen, kunstvollen Gebilde, die alle bunt, fantasievoll in Form, Farbe und Material und zugleich überraschend praktisch und konstruktiv in ihrer jeweiligen Funktion wirken.

Ein paar wenige Fakten zum Künstler Peter Buch

Den Künstler selbst trafen wir dann etwas weiter oberhalb am Berg an. Leises Hämmern hatte uns auf ihn aufmerksam gemacht. Er arbeitete an einem seiner Objekte. Peter Buch, 1938 geboren, lebte vor dieser hiesigen Zeit eine längere künstlerisch geprägte Periode bereits auf der spanischen Baleareninsel Formentera und viele Jahre seines Lebens in Paris. Er galt unter Kollegen und Bewunderern – so entnahm ich das jedenfalls dem Internet – nicht unbedingt als ein redseliger Mann. Das hätte ich auch nicht erwartet. Das, was andere vielleicht in übersprudelnder Redseligkeit so von sich geben – das legte er doch offen vor unsere Augen: ein gutes Stück Leben, in Formen, Materialien und Farben fantasievoll und selbstredend in bunter Fülle an einen Berghang gebaut.
Uns gegenüber verhielt er sich übrigens offen und durchaus gastfreundlich. Er zeigte uns bereitwillig sein Haus, antwortete geduldig auf all unsere Fragen. Und er bot uns Wasser zur Erfrischung an. Mag ja sein, dass die Weisheit und Gelassenheit des Alters auch milder stimmen mit der Zeit.
 
(Der nächstfolgende Menüpunkt zeigt in einer Galerie zwanzig Fotos vom Autor zum Thema "Peters Garten")
 
Wir waren an diesem Tag auch noch im Kloster. Die spätromanische und zum Teil strenge gotische, auf das Notwendigste reduzierte Architektur des eindrucksvollen Gebäudekomplexes bildete einen krassen Gegensatz zu dem, was wir eben spontan besucht und erlebt hatten: Peters Garten! Doch es sind ja eben jene schroffen Gegensätze, die das Leben so bunt und an- und aufregend gestalten können.
 
Peter Schumann

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