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Glaube doch, was Du willst!

Über die Schwierigkeit, einen anderen Glauben zu akzeptieren

Eigentlich sollte man meinen, dass Glaubensfragen rein privater Natur sind und deshalb nicht unbedingt Gegenstand von Streit sein können. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Frage, woran ein Mensch glaubt, glauben soll, glauben muss, hat über Generationen zu Streit und Krieg geführt. Es verbessert oder entschärft auch das Problem nicht, wenn ein solcher Konflikt als "heilig" bezeichnet wird - gleichgültig von welcher Seite. Es gibt also genug Anlass, über das brisante Thema Glaubenssache nachzudenken und die eigene Haltung dazu auf den Prüfstand zu stellen. Menschlichkeit und Toleranz beginnen im Kleinen, im kleinen alltäglichen Leben. Und für jeden stellen sich die Fragen bezüglich des Themas Glaubenssache anders, ganz entsprechend seiner Herkunft, seiner Erziehung, seiner gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Situation.

Über kaum etwas anderes kann der Mensch so heftig und kontrovers streiten wie über den Glauben. Woran liegt das? Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass ab einem bestimmten Punkt, ob das die Kontrahenten nun wahrhaben wollen oder nicht, ein Streit eigentlich sinnlos und überflüssig ist. Ab dem Punkt, wo der Gläubige – meist in Folge ausgehender oder widerlegter Argumente – sagt: „Aber ich glaube!“, ist eine Diskussion im rationalen Sinne nicht mehr möglich. (*)

Worin liegt der Sinn des Lebens?

Vielleicht kommt es daher, dass die Streithähne nicht wissen oder nicht daran denken, wie eng ihre Positionen meist beieinander sind. Denn in Wirklichkeit, wenn man den ganzen Wust von Argumenten und Gegenargumenten beiseite schiebt, bleibt nur ein winziger Unterschied: Wie beantwortet jeder einzelne ganz für sich die Frage „Was war zuerst da – das Sein, also die gegenständliche, zumeist sichtbare, materielle Welt, oder das Bewusstsein, also eine Kraft, die nachweislich, aber unsichtbar in uns lebt?

Die Frage klingt so einfach. Dennoch hat sie die Welt gespalten. Und zu Recht hat sie Bedeutung erlangt als die Grundfrage der Philosophie. Philosophen haben in Deutschland gegenwärtig nicht unbedingt Konjunktur. Von der Verehrung klassischer Philosophen im Altertum ist hier wenig zu spüren. Popstars, Supertalente und Komiker füllen ganze Stadien und beherrschen die Schlagzeilen in den Medien ebenso wie leider auch übermäßig die Gedankenwelt vieler junger Menschen. Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Toleranz und Streitkultur, ja von Krieg und Frieden, treten bedauerlicherweise eher in den Hintergrund.

Morgenstimmung hinter dem Ort Hornillos mit Sonnenaufgang

Dieser kleine Beitrag hier, der nicht den Anspruch erhebt, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, wurde aus der Sicht eines Atheisten geschrieben. Ich finde diese Aussage fair und notwendig, damit jeder Leser im folgenden erkennt, dass die Beurteilung anderer Positionen ausschließlich aus dieser Weltsicht erfolgt. Damit muss also keiner, der anders darüber denkt, einverstanden sein.
Es ist völlig verständlich, dass es unter den Anhängern des Glaubens auch nicht nur eine einzige Meinung gibt. Das ist doch bei einer Sache, die hauptsächlich aus der Phantasie der Menschen (Darüber allein gibt es schon heftigen Streit!) über Jahrtausende hinweg gepflegt und entwickelt wurde, nicht anders zu erwarten. Dass es allerdings wegen einer solchen Kleinigkeit zu kriegerischen Auseinandersetzungen, zu Feindschaften und blutigen Gemetzeln kommt (ja, ich halte das bewusst in der Gegenwart) ist nicht nur makaber, sondern engstirnig und dumm.

Grosses Pilgerkreuz aus Holz am Wegesrand

Was bleibt also als einzige vernünftige Schlussfolgerung? Ein friedliches, von Vernunft und Toleranz geprägtes Zusammenleben, gleichgültig, welcher Konfession der Einzelne angehört und woran er glaubt. Wenn diese alternativlose Einstellung überall auf der Welt schon in den Schulen gelehrt und vorgelebt würde - es gäbe viele Gründe weniger für Zank und Streit oder gar kriegerische Auseinandersetzungen und gar Terrorismus. Natürlich löst das allein nicht die brennenden sozialökonomischen Konflikte auf der Welt, die sich besonders sichtbar im krassen Gegensatz zwischen Arm und Reich zeigen. Doch das ist schon ein anderes Thema, obwohl natürlich ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Was allein die Religionen und den damit verbundenen Glauben betrifft, wäre es immerhin ein guter Anfang.

 

Portraet von Anselm von Canterbury - Theologe und Philosoph 

"Nicht der Glaube - die Vernunft muss Richter über alles sein, was im Menschen ist."

Anselm von Canterbury, Theologe und Philosoph des Mittelalters

 

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