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Königspalast von Olite und das Kloster La Oliva

Ein Schloss, wie man es aus Märchen kennt

Das Hauptziel unserer Reise war eigentlich Pamplona. Doch von hier aus starteten wir auch Ausflüge in die Umgebung. Eines dieser nahe gelegenen Ziele, 43 Kilometer östlich, war das Königsschloss in Olite. Auch ohne diesen beeindruckenden Palast wäre der knapp viertausend Einwohner beherbergende Ort ein lohnenswertes Ziel. Zählt er doch mit seinen engen Gassen, den prächtigen Herrenhäusern mit weit überragenden Dachkonstruktionen, den beschaulichen, einladenden Plätzen, der römischen Stadtmauer und den Türmen der Kirchen mit zu den schönsten in Navarra hinsichtlich mittelalterlicher Baukünste. Natürlich überragt das Schloss, ehemaliger Sitz der Könige von Navarra, alles. Es prägt mit seinen hohen Mauern, den wuchtigen Türmen, den kleinen Türmchen und den vielen Zinnen den äußerlichen Anblick der Stadt wie sonst kaum etwas. Allein das Schloss belegt fast ein Drittel der gesamten Fläche der Altstadt.

Eine Hauptansicht des Schlosspalastes in Olite

Wir begannen unseren Rundgang an einem der Tore in der Stadtmauer. Der kurze Weg führte uns direkt auf den Plaza de los Teobaldos, ein zentraler Platz, der schon an seiner Peripherie so ziemlich alles zeigt, was das Städtchen zu bieten hat: da wären auf der rechten Seite, so wie man durch das Tor kommt, die mittelalterlichen Häuser der Rua Major, bis sie sich am oberen Ende des Platzes wieder in einem Tor verlieren. Linker Hand befindet sich das historische Gebäude des Weinmuseums. Die linke Flanke des fast rechteckigen Platzes zeigt den Eingang zum Paradorhotel, das in seiner äußerlichen Gestalt nichts anderes ist als der älteste Teil des Palastes aus dem 13./14. Jahrhundert. Daneben gleich das wundervolle Renaissance-Portal der Kirche Santa Maria La Real und dahinter der Eingang zum „neuen“ Schlosspalast aus dem 14./15. Jahrhundert. Da wir für einen Rundgang durch das Schloss angemeldet waren und die Zeit dafür noch etwas in der Ferne lag, nutzten wir die Zeit für eine Stippvisite im Weinmuseum. Weine aus Navarra genießen einen hervorragenden Ruf, und Olite liegt ja mitten drin in diesem begnadeten Weinanbaugebiet Spaniens. Das Museum ist hervorragend gestaltet und bietet einen tiefen Einblick in den Weinanbau, Keltertechniken und Rebsorten und vieles mehr für den Interessenten ebenso wie den Kenner.

Eingang zur Stadt Olite von Innen fotografiert, rechts eine typische schmale Gasse

Noch war Zeit für ein kleines Getränk zwischendurch in der oberen Ecke des Platzes vor einem Café in der Rua Major, dann stand uns der Eingang zum Palast offen. Mal ganz abgesehen von der unzweifelhaft märchenhaften äußeren Kulisse, waren von nun an Phantasie und Vorstellungskraft gefragt bei dem Versuch, sich das höfische Treiben im Mittelalter vorzustellen. Denn, um es vorwegzunehmen, ein Feuer infolge von Kriegshandlungen vernichtete 1813 weite Teile des Palastes, die erst durch eine sorgfältige Rekonstruktion 1937 wieder hergestellt werden konnten. Von der einst prunkvollen Ausstattung, die unter Karl dem Edlen ihren Höhepunkt fand, blieb allerdings kaum etwas übrig. Immerhin war das Schloss Sitz des königlichen Hofes von Navarra bis zu seinem Zusammenschluss mit Kastilien 1502.

Detailaufnahmen vom Königsschloss in Olite (alle Aufnahmen vom Autor)

In seiner Blütezeit galt der Palast als eine der luxuriösesten mittelalterlichen Burgen in ganz Europa. Kacheln, Stuck und geschnitzte Holzdecken zierten die Räume. Reisende jener Zeit sprachen gar von „goldenen Zimmern“. Selbst eine Art Zoo mit Löwen und Büffeln soll damals existiert haben genauso wie exotische „hängende Gärten“ in den Gängen des Schlosses. Es muss tatsächlich ein wahres Traumschloss gewesen sein. Als heutiger Besucher des Palastes kann man wohl lediglich feststellen, dass die architektonischen Voraussetzungen für all diesen Luxus wirklich gegeben waren. Dafür hatte König Karl III. der Edle, gesorgt, als er Baumeister aus Portugal, aus Spanien, ja aus ganz Europa nach Olite berief, um diesen Palast ganz nach seinen Vorstellungen errichten zu lassen. Herausgekommen ist dann dieses Märchenschloss, das man stilistisch in die französische Zivilgotik einordnete. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Karl der Edle, der diesen Palast zu seinem Lieblingssitz erkor, im französischen Nantes geboren wurde. Von den zinnenbewehrten hohen Türmen des Schlosses sieht man das Kloster San Francisco. Die Ländereien grenzen fast bis an die Stadtmauern und sind vor allem mit Weinreben bestanden. Das führt uns zu unserem nächsten Ziel …

Kloster Nuestra Señora de la Oliva - Hauptansicht der Kirche

Das Kloster Nuestra Señora de la Oliva

Mit dem ältesten Weingut in ganz Spanien

Es gibt vielleicht größere und schönere Klöster als dieses. Doch darauf kommt es dem Reisenden nicht an. Es gibt immer etwas zu entdecken in solchen historischen Anlagen. Das Flair ist stets etwas Besonderes. Das Kloster La Oliva befindet sich nur 25 Kilometer entfernt von Olite am Flussufer des Aragón. Es war also nur ein kleiner Umweg über Carcastillo (zwei Kilometer vom Kloster entfernt) auf der Fahrt zurück nach Pamplona. Ein Umweg, der sich gelohnt hat. Das Kloster zeigt sich in schlichter Schönheit. Der Empfang durch einen der sechsundzwanzig Zisterziensermönche, die hier leben, erwies sich als Gewinn. So freundlich, kompetent und beredt fand selten eine Führung statt. Das Entré des Klosters, ein großer quadratischer Hof, auf den man durch ein hohes Eingangstor gelangte, war durchaus schon beeindruckend und von stilistischer Klarheit. Direkt vor uns ragte die Kirche Santa Maria des Klosters mit ihrem großen viereckigen Turm auf – ein bedeutendes Beispiel der spanischen Zisterzienserbaukunst mit romanischen und gotischen Stilelementen (12. bis 13. Jahrhundert). „Unser“ Mönch in seiner traditionellen wollenen weißen Kutte führte uns hinein und erläuterte uns neben der wunderbaren Kirche auch den gotischen Kreuzgang, den Kapitelsaal und die Christuskapelle. Für eine Weile saßen wir auf den kargen Holzbänken der Andächtigen und hörten ihm zu, bevor wir anschließend alles selbst in Augenschein nahmen.

Die Mönche im Kloster La Oliva sind weltoffen. Das Internet ist für sie weder ein Tabu noch ein Geheimnis. Nicht nur, dass sie diese Führungen wie die unsere gestalten; sie erlauben auch Besuchern den Aufenthalt in ihrem Kloster für mehrere Tage, damit diese sich besinnen und erholen können. Und ganz sicher werden sie auch den liturgischen Gesängen der Mönche lauschen, die in einem bestimmten Zeitregime über den ganzen Tag verteilt, erklingen. In den Wirren der Zeit sind Teile des Klosters, das manchmal auch unbewohnt war, zerstört oder beschädigt worden. Das betrifft den gesamten Nordflügel, von dem nur die stark beschädigte Küche erhalten blieb. Refektorium und Wärmestube wurden ebenso zerstört wie der westlich gelegene Trakt für die Laienbrüder.

Oberes Bild: im Inneren der Kirche, links unten der Kreuzgang und rechts eine Seitenkapelle der Kirche (alle Fotos vom Autor)

Auch ökonomisch sind die Mönche aktiv. Sie verfügen über Weinberge und eine eigene Kellerei, in der Weine der D.O. Navarra hergestellt und verkauft werden. Das Kloster, welches übrigens spanisches Nationaldenkmal ist, besitzt wohl das älteste Weingut Spaniens, die „Abadia de la Oliva“. Zurückzuführen ist dies auf König García Ramirez, der im Jahre 1134 die Mönche bat, von Borgoña nach Navarra zurückzukehren. Um ihnen die Entscheidung leichter zu machen, gewährte er ihnen Ländereien am Ufer des Aragon und versorgte sie mit allem, was für den Aufbau und die Entwicklung einer kleinen Landwirtschaft nötig war. Bald stellten die Mönche Brot, Wein und Öl selber her. Heute zählen zur Produktionspalette Rotweine (Reservas, Crianzas), Roséweine, Liköre und Messweine. Kaufen kann man die Weine im Kloster selbst oder im nahe gelegenen Ort Carcastillo, wo das Kloster eine Bodega unterhält. PS

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