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Nicht blauäugig in die Ferne ziehen ...

Erst informieren und nachdenken - dann handeln, oder besser zu Hause bleiben

Häufig hört man diesen fast schon geläufigen Spruch: „Leben und arbeiten dort, wo andere Urlaub machen.“ Dabei wird geflissentlich weggelassen, was eigentlich als korrekte Ergänzung dazugehört: „... länger arbeiten, unter häufig schwierigeren Bedingungen als im Heimatland und noch dazu für (wesentlich) weniger Geld.“ Was übrig bleibt an Zeit zum Leben ist dann die völlig andere Sache.

Bei den Auswanderern steht Spanien oft mit ganz oben auf der Wunschliste. Dabei ist ja nicht wirklich Spanien als Ganzes gemeint und angedacht, sondern vor allem das mediterrane Küstengebiet. Das kann jeder nachvollziehen, der Spanien ein wenig kennt: weite Sandstrände, felsige einsame Buchten, das blaue, warme Meer und überhaupt das mediterrane Klima. Klar, das alles klingt gut und ist es auch, wenn man in Spanien Urlaub macht. Für die Menschen, die hier leben und arbeiten, bleibt von der Romantik eines solchen Urlaubsvergnügens meist nur sehr wenig übrig.

Das Mittelmeer mit Strand und Felsenbucht, im Hintergrund das Städtchen Peniscola

Das mediterrane Flair zieht viele Auswanderer an. Das Foto zeigt ein Detail der Costa Azahar, der Küste der Orangenblüte, etwa zwischen Tarragona und Valencia gelegen. In der Ferne das Städtchen Peñiscola, dessen Altstadt auf einem Felsen im Meer liegt, nur durch eine Landzunge mit dem Festland verbunden.

Im Deutschen Fernsehen gibt es eine spezielle Sendung, die sich mit dem Thema Auswandern beschäftigt und Menschen vorstellt, die sich vorgenommen haben, Deutschland zu verlassen. Die Gründe dafür sind äußerst unterschiedlich, meist nachvollziehbar, manchmal auch nicht. Die Pläne, wie das vonstatten gehen soll, halten dagegen mit der Notwendigkeit nicht Schritt. Viel Blauäugigkeit ist da oft im Spiel, wenn es darum geht, die Zukunftsaussichten im Wunschland auszumalen. Ein besonders krasses Beispiel ist mir gut in der Erinnerung geblieben: Ein junges, unbedarftes Paar nimmt sich vor, nach Spanien zu gehen. Die Wohnung wird aufgelöst, letzte Habseligkeiten auf einem Trödelmarkt verhökert, um noch ein paar Hunderter für das große Traumziel zu ergattern. In Spanien – so denken die jungen Leute – werden sie sich rasch um eine Arbeit bemühen, um über die Runden zu kommen und irgendwo zu wohnen. Bis dahin soll das wenige ersparte Geld reichen. Selbstverständlich werden sie jeden Job annehmen. Mit der spanischen Sprache hapert es noch gewaltig. Sie ahnen wohl noch nicht, dass es auch um den miesesten Job noch einen Kampf geben wird, bei dem die Kenntnis der Landessprache zum entscheidenden Faktor wird. Es gibt so viele Emigranten, die nach Spanien drängen. Viele kommen aus lateinamerikanischen Staaten und haben demzufolge weniger Schwierigkeiten, zumindest was die Verständigung betrifft. Da hilft es auch nicht weiter, dass die Deutschen in vielen Ländern den durchaus guten Ruf haben, besonders diszipliniert und fleißig zu sein. Wenn der Chef sich zum Beispiel mit seinen Anweisungen nicht verständlich machen kann, sind alle noch so gepriesenen Tugenden verständlicherweise nebensächlich.

Bestens informiert sein vor dem großen Schritt

Wäre das junge Paar nur ein wenig politisch oder überhaupt am Weltgeschehen interessiert, dann könnte es doch zumindest Folgendes wissen: Spanien befindet sich – wie einige andere europäische Staaten auch – in einer wirtschaftlichen und damit auch finanzpolitischen Krise. Die Verschuldung geht, ähnlich wie bei Griechenland, über beide Ohren. Allerdings sind die Dimensionen ungleich größer und damit um so beängstigender. Die Arbeitslosigkeit liegt derzeit (April 2012) bei 27 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit sogar über vierzig Prozent! In den größeren Städten Spaniens, vor allem natürlich in Madrid, kommt es derzeit zu großen Demonstrationen gegen die Sparpolitik der Regierung.

Das führt fast zwangsläufig zu der Überlegung, dass bei Auswanderungsplänen auch die Zeit eine beachtliche Rolle spielt. Fast könnte man es so formulieren, wenn das Zielland feststeht und ein Ausweichen in andere geografische Gefilde nicht in Frage kommt: Es gibt für jedes Land eine Zeit, wo es zum Einwandern geradezu einlädt, und eine andere, wo es nicht ratsam scheint. Das muss jeder Auswanderungswillige sehr genau beobachten und unter Umständen auf den „richtigen“ Zeitpunkt warten können. Für eine solche Wartezeit bieten sich gleich mehrere Möglichkeiten des Ausfüllens an. Ganz oben dürften dabei vor allem zwei Dinge stehen: Die Verbesserung der materiellen Ausgangssituation und das Erlernen der Sprache des zukünftigen Gastlandes.

Wenn man gut informiert und bestens vorbereitet im obigen Sinne ein solches Unternehmen in Angriff nimmt, dann kann das rigorose Verändern eingefahrener oder ausweglos scheinender  Lebensumstände zu einer befreienden Tat werden. Der Erfolg eines solchen Projektes zeigt sich am Ende darin, ob man nun glücklicher ist als zuvor. Erst wenn man diese Frage – auch noch nach einer gewissen Zeit – mit „Ja“ beantworten kann, ist das abenteuerliche Projekt Auswandern als erfolgreich zu bewerten.

PS

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