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Pamplona - eine Stadt am Jakobsweg

Pamplona – eine Stadt am Jakobsweg

Berühmt für die Fiesta San Fermin mit dem verrücktesten Stiertreiben Spaniens

Als ich vor einigen Jahren "meinen" Jakobsweg ging, führte er mich von der Tür unseres Hauses in Peñiscola quer durch Mittelspanien nach Estracon. Der kleine Ort liegt am linken Ebroufer flussaufwärts betrachtet. Direkt gegenüber befindet sich das berühmte Kloster Rueda. Nach dem Besuch dieses Klosters auf der anderen Seite des großen spanischen Flusses pendelte der Pilgerpfad über konstruktiv sehr unterschiedlich große Brücken mal auf das rechte, mal auf das linke Ufer. Schließlich verblieb er auf der linken Seite, und über Zaragossa, Tudela, Alfaro und Calahorra erreichte ich auf dem Camino del Ebro schließlich die Bischofsstadt Logroño, zugleich Hauptstadt der Provinz und des bekannten Weinanbaugebietes La Rioja. Damit war ich angekommen auf dem bekannten Französischen Weg, der mich nunmehr bis nach Santiago de Compostela bringen sollte.
Doch noch einmal gedanklich ein stückweit  zurück: Etwa zehn Kilometer hinter Tudela war eine Gelegenheit gegeben, nach rechts abzubiegen und einen etwas anderen Weg zu nehmen. Dieser hätte mich über Tafalla direkt nach Pamplona geführt. Die gängigen Pilgerführer weisen von Pamplona nach Logroño nochmals vier Tagesetappen aus: über Puente la Reina, Estella und Los Arcos. Ich fand es damals unlogisch, den Weg quasi zurückzulaufen, nur um nach Pamplona zu gelangen und dafür – also für den Hin- und Rückweg - sechs bis sieben Tage mehr Zeit aufzuwenden. Lag mein eigentliches Ziel doch genau entgegengesetzt. Also bog ich nicht ab, sondern blieb auf dem direkten Weg nach Logroño.

Der Gedanke an Pamplona ließ mich nie los

Während meiner Pilgertour hatte ich weder Zeit noch Lust, mich mit Orten zu beschäftigen, die nicht unmittelbar mit meinem Weg zu tun hatten. Doch in den Jahren danach musste ich oft an Pamplona denken stets mit einem gewissen Bedauern, dass ich es nicht gesehen hatte. An Pamplona knüpfen sich ja viele Vorstellungen und Erwartungen, die vor allem von den jährlichen spektakulären Berichten in den Medien genährt werden. Dabei geht es immer um die Fiesta San Fermin, die traditionell vom 7. bis zum 14. Juli stattfindet und in deren Verlauf ein Stiertreiben durch die Altstadtgassen von Pamplona zur Stierkampfarena stattfindet. An sich ist das ja nichts Außergewöhnliches für spanische Orte im Fiestatrubel. Auch in Peñiscola ist das der Fall und in den kleineren und größeren Pueblos (Dörfer, die eigentlich kleine Städtchen sind) rundum ebenso. Doch Pamplona ist in seiner sprichwörtlichen Obsession schon besonders. Das zeigt sich unter anderem in solch kleinen Details: Über manchen Eingängen zu den Geschäften in der Altstadt finden sich digitale Leucht-Uhren, die unablässig und sekundengenau die Zeit bis zum Beginn jeweils der nächsten Fiesta San Fermin herunterzählen.
 
Ein Ausschnitt aus dem monumentalen Denkmal für die "Stierläufer" anläßlich San Fermin in Pamplona
 
Ausschnitt aus dem Denkmal für die "Stierläufer" zur Fiesta San Fermin in Pamplona. Am Boden liegend, hat sich der Künstler Rafael Huerta, der aus Bilbao stammt, selber in seinem Werk verewigt.
 
Die Stadt hat in ihrer wechselhaften Geschichte viel über sich ergehen lassen müssen. Fünfmal  wurde sie völlig zerstört: zuerst von den Westgoten, dann von den Franken. Im Jahre 778 scheiterte der ansonsten so erfolgverwöhnte Karl der Große mit einem Feldzug gegen die Mauren in Nordspanien. Weil er keine befestigte Stadt im Rücken haben wollte, zerstörte er Pamplona auf seinem Rückzug über Zaragossa. Knapp 150 Jahre später geschah das Gleiche durch den Emir Abd ar-Rahman III., der 929 Kalif wurde, im Rahmen der Festigung seiner Macht in den eroberten Gebieten Leon und Navarra. Im Verlaufe des französisch-spanischen Krieges 1521 legten schließlich Truppen des französischen Königs Franz I. Pamplona erneut in Trümmer.

Die Stadt der vier Jahreszeiten

Heute liegt Pamplona friedlich in den Ausläufern der Pyrenäen am Fluss Arga in einer Hochebene auf knapp 450 Metern über Meeresspiegel. Die höchste Erhebung in der Umgebung erreicht mit dem Peña Izaga immerhin 1.353 Meter. Das Klima hier ist sowohl von maritimen (der Atlantik ist nicht sehr weit) als auch kontinentalen Einflüssen geprägt. Man spricht deshalb auch von der Stadt mit den vier Jahreszeiten, weil das im restlichen Spanien durchaus nicht überall charakteristisch ist. Gemeint ist damit, dass man deren Abfolge hier bewusster und intensiver wahrnehmen kann, also Winter mit Kälte und Schnee, Frühjahr mit ausuferndem, frischem Grün, Sommer heiß und trocken und Herbst mit Blätterfall und buntem Laub.
Quirliges Leben beherrscht die wunderschöne Altstadt, in der es fast ein Muss für jeden Touristen ist, dem Verlauf der Gassen zu folgen, durch die während der Fiesta San Fermin die Stiere getrieben werden. Zwangsläufig erreicht der Wanderer auf diesen Wegen, die allerdings aus massivem Pflaster bestehen und rechts und links kleinere und größere Geschäfte sowie jede Menge urige Bars und Restaurants bieten, hügelaufwärts die mächtige Kathedrale. Zum Zeitpunkt unseres Besuches war sie leider ebenso geschlossen wie am anderen Ende des sogenannten „encierro“ die große Stierkampfarena, in der die Hatz nach 825 Metern schließlich endet. Betrachtungen zur Gefährlichkeit dieses Spektakels, das immer wieder zahlreiche Unfälle (durchaus auch tödliche) fast zwangsläufig mit sich bringt ebenso wie die obligatorischen Proteste von Tierschützern, will ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Historisch betrachtet, ist die Pamploneser Altstadt dreiteilig gegliedert. Da gibt es zum einen den ältesten Teil namens La Navarreria und zwei weitere Teile, die Viertel (eigentlich ja Drittel) Dan Cernin und San Nicolas. Letztere waren in früherer Zeit eigenständige konkurrierende Städte, die später erst zusammenwuchsen.
 
Denkmal für den amerikanischen Schriftsteller Hemingway vor der Stierkampfarena von Pamplona Das Rathaus in Pamplona
 
Das Denkmal für den amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway, der viel Zeit seines Lebens in Pamplona verbrachte und den Ort durch seinen Roman "Fiesta" berühmt machte. Darin schildert der Autor die Ereignisse rund um die Fiesta San Fermin. Rechts die wunderschöne Fassade des Rathauses
 
Rund 200.000 Einwohner leben heute in dieser Stadt in der Gemeinde Navarra im Norden Spaniens. Nahe größere Orte mit internationalen Flughäfen sind Zaragossa, San Sebastian und Vitoria. Es ist ein Ort voller geschichtlicher Zeugnisse und kultureller Begegnungsmöglichkeiten. Dass Pamplona sich trotz aller Historie ein gewisses jugendliches Flair erhalten hat, liegt vor allem daran, dass hier drei Universitäten zu Hause sind. Die größte unter ihnen ist die Universidad de Navarra, gegründet und in Trägerschaft vom Opus Dei, einer Laienorganisation der römisch-katholischen Kirche, mit über 15.000 Studenten. Allein diese Universität, die durchaus in vielen Studienrichtungen weltlich ausgerichtet ist, verfügt über einen Campus im Charakter eines  Landschaftsparks von 400.000 Quadratmetern. Dazu gesellen sich nochmals 240.000 Quadratmeter einer weiteren Universität von einem bekannten Architekten ebenso im Stile großer Grünanlagen mit vielen seltenen Bäumen gestaltet. Im Verbund mit dem innerstädtischen Grün rund um die Zitadelle und die Reste der alten, mächtigen Stadtmauer sowie einer Vielzahl an Gärten und Parks ist es dann nicht verwunderlich, dass Pamplona als eine der grünsten Städte Europas bezeichnet wird.
 
Ein Laden in der Altstadt von Pamplona mit Fiestakleidung und Zubehör
 
Ein schmucker Laden in der Altstadt von Pamplona, der ausschließlich Fiestakleidung und Zubehör im Angebot hat. Wie einige andere Bars und Geschäfte trägt auch dieser den Namen Hemingways in seiner Geschäftsbezeichnung
 
Mehr möchte ich über mein Reiseziel gar nicht preisgeben. Insofern hat dieser kleine Beitrag hier nur fragmentarischen Charakter. Jeder Stadtführer über diesen einzigartigen Ort weiß selbstverständlich wesentlich mehr an Fakten und Sehenswürdigkeiten zu berichten. Dieser Bericht soll nur Appetit machen auf mehr – vielleicht einen eigenen erlebnisreichen Besuch? Ich, für meinen Teil, habe die Neugier befriedigt, die mich nicht losgelassen hat seit diesem eingangs erwähnten Abzweig auf „meinem“ Jakobsweg. Und hier schließt sich thematisch der Kreis: Der Jakobsweg letztendlich war es, der Pamplona im elften Jahrhundert ein regelrechtes „goldenes Zeitalter“ schenkte und der Stadt durch die vielen Pilger aus aller Herren Länder wirtschaftlichen Erfolg und einen gewissen Ruhm in der Welt jenseits der Pyrenäen bescherte. Dass ich diese Stadt ganz im Sinne einer gängigen Redewendung „links liegen ließ“ (denn in Wirklichkeit war es rechts), habe ich nun – einige Jahre später – mit diesem Besuch wiedergutgemacht. Es hat sich gelohnt.
 
Eine Altstadtgasse in Pamplonas Fussgängerzone, die zum Bummeln einlädt Ein anderer Blick durch die Altstadtgassen von Pamplona
 
Bunt und lebhaft präsentiert sich die Altstadt von Pamplona, die zum Verweilen in urigen Cafés und Restaurants einlädt oder einfach zum Schauen, Shoppen und Bummeln (alle Fotos vom Autor)

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