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Sehnsuchtsziel Peñiscola an der Costa del Azahar

Hier residierte Benedict XIII., Papa Luna, unbeirrt und ungebeugt

Die spanische Mittelmeerküste spielt im Denken vieler Menschen eine Rolle, sobald sie an Urlaub am Meer, an Sonne und Strand denken. Doch diese Küste führt auch unabhängig von der Masse an Touristen, die sie gewöhnlich vor allem im Sommer bevölkern, ein besonderes Eigenleben. Das ist geprägt von geografischen, meteorologischen, kulturellen und traditionellen Prägungen oder auch von wirtschaftlichen Überlegungen, die zum Teil dem ansteigenden Tourismus geschuldet waren. Im Ergebnis entstanden Küstenabschnitte, die jeweils mit eigenen Bezeichnungen bedacht wurden.

Die Küste der Orangenblüte

Einer dieser Küstenabschnitte nennt sich Costa del Azahar. Der arabische Ursprung des Wortes azahar deutet bereits darauf hin, dass es sich hier nicht um eine Erfindung des Tourismus wegen handelt, sondern um eine überlieferte traditionelle Bezeichnung. Die angrenzenden Küstenabschnitte in nördlicher Richtung, Costa Dorada (Goldküste), und in südlicher Richtung, Costa Blanca (Weiße Küste), sind in dieser Hinsicht eher verdächtig. Costa del Azahar bedeutet Küste der Orangenblüte. Der Name rührt daher, weil schon zu Zeiten der Jahrhunderte andauernden Herrschaft der Araber dieses Gebiet, das heute die Provinzen Castellon und Valencia umfasst, ein einziger fruchtbarer, blühender Garten gewesen sein soll. Doch auch heute bekommt man noch eine Vorstellung davon, wenn im Februar die weiß-rosa Mandelblüte riesige Flächen erobert oder wenn die Orangenbäume blühen und ein unbeschreiblicher schwerer, süßer Duft das ganze Land förmlich überzieht.

Anfang Februar: vorn Mandarinen in fast voller Reife; im Hintergrund blühen schon die Mandelbäume

Die Costa del Azahar beginnt geografisch auf der Höhe des Ortes Alcanar, der noch zu Katalonien gehört, und führt über reichlich zweihundert Küstenkilometer bis zum Städtchen Oliva in der Provinz Valencia. Bekanntere Städte auf diesem Weg sind Vinaros, Peñiscola, Benicassim, Castellon de la Plana, Sagunt, Valencia, Cullera, Gandia und schließlich Oliva. Alle unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer sehr unterschiedlichen Größe, sondern ihrer speziellen landschaftlichen, architektonischen Gegebenheiten sowie mannigfaltiger kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten. Jeder dieser unverwechselbaren Orte wäre einen Besuch wert, aber hier wollen wir uns vorerst nur auf einen einzigen konzentrieren: unseren Sehnsuchtsort Peñiscola.

Das Stadttor Sant Pere, das der Papst errichten ließ als Zugang zum Hafen. Über der Mitte des Bogens ist das Relief des Papst-Wappens zu sehen

Als ich auf dem Jakobsweg unterwegs war, hatte ich viele Begegnungen mit freundlichen Menschen, die einfach nur ein kleines Gespräch mit dem Pilger führen wollten. Solche Gespräche begannen immer mit der Frage nach dem Woher und dem Wohin. Das Wohin – also Santiago de Compostela – führte oft zu mitleidigem oder anerkennendem Staunen; das Woher dagegen zauberte auf jedes Gesicht ein Lächeln: „Ach, Peñiscola! Ja, das kenne ich, dort war ich schon.“ Später erfuhr ich, dass nach der Alhambra im andalusischen Granada die Altstadt von Peñiscola mit der Templerburg die zweit-meistbesuchte Sehenswürdigkeit ganz Spaniens ist. Das ist auch und vor allem seiner spektakulären Lage auf einem 64 Meter hohem Felsen geschuldet, der so gut wie vollkommen im Meer liegt und nur durch eine schmale Landzunge mit der Küste verbunden ist.

Eine einmalige strategische Lage

Die Geschichte des Ortes gestaltet sich so abwechslungsreich wie sein Erscheinungsbild und beginnt tief in der Vergangenheit. Schuld an dem großen Interesse über Jahrhunderte hinweg ist wohl die einmalige strategische Lage im Golf von Valencia und auf diesem Felsen mitten im Meer, der sich zum Festungsbau geradezu anbot. Schon die Griechen erwähnten ihn im 6. Jahrhundert n. Ch., die Römer gaben ihm den Namen Peninsula. Daraus machten die Araber später Baniscula, und über weitere auch sprachlich verschlungene Wege wurde schließlich Peñiscola daraus. Doch für eine intensivere geschichtliche Betrachtung ist hier nicht der Platz. Ich beschreibe dem Leser den Ort so, wie ich ihn heute sehe und erlebe.

Papst Benedict XIII. wacht über den Einwohnern von Peñiscola, rechts eine typische Gasse der Altstadt mit dem ungewöhnlichen "Muschelhaus"

Die gesamte Altstadt liegt also auf diesem viel beschriebenen Felsen im Meer, nur durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden. Der Fels, von den einheimischen Historikern gern auch als die Akropolis dieser Zone bezeichnet, ist 365 Meter lang und 250 Meter breit bei einem Umfang von etwa 1000 Metern. Die fast ausnahmslos weißen Häuser tragen als einzigen Schmuck die typischen spanischen kleinen Balkone mit Metallgitter und in der Regel rote Ziegeldächer. Die äußeren Felsstürze sind durch mehr oder weniger hohe dicke Mauern und Türme verstärkt und betonen so die Wehrhaftigkeit des gesamten Ortes, der nur durch einige Tore und eine steile Treppe betreten werden kann. Die Häuser bilden malerische Gassen, die vor allem immer weiter nach oben führen. Auf dem obersten Plateau befindet sich ein zentraler kleiner Platz mit einem Papst-Denkmal, dem Haupteingang zur mächtigen Burg und einer breiten Freitreppe, die zur Kirche Nuestra Señora de Ermitana führt. Das Denkmal erinnert daran, dass auf der alten Templerburg von Peñiscola der Gegenpapst Benedict XIII. Asyl fand, als er sich seiner Absetzung durch das Konzil von Konstanz im Jahre 1417 widersetzte. Er überstand sogar einen Giftanschlag 1418 und residierte hier bis zu seinem natürlichen Tod im Jahre 1823.

Trotz der Enge viel Platz für besondere Details

Weiter unten im Ort ist eine weitere Kirche, die Pfarrkirche, zu finden. Sie gilt als die ältere der beiden Gotteshäuser, aber nicht die erste, die in Peñiscola erbaut wurde. Trotz der Enge der Häuserzeilen bietet der Fels Platz für weitere Besonderheiten. Da wäre zum Beispiel der sogenannte Bufador – ein unterirdischer Felsdurchbruch, der bei entsprechendem Seegang ein ordentliches Getöse veranstaltet und Wassersäulen in die Höhe schießen lässt. Oder das romantische kleine Plateau vor dem Gebäude des Meeresmuseums in halber Höhe zur Burg. Oder der überraschend große Platz mit Brunnen vor dem aktiven Leuchtturm und dem dazugehörigen Gebäude. Oder der Park der Artillerie und das Refugio von Papa Luna, Benedikt XIII. - eine parkähnliche Anlage, die der Erholung des Papstes diente.

Die Mächtige Templerburg, Asyl und Sitz von Benedict XIII., Papa Luna; rechts eine mit Grünpflanzen geschmückte Gasse der Altstadt

Heutigen Tages ist die Altstadt von Peñiscola vor allem in den Sommermonaten ein einziges touristisches Unternehmen. In den Gassen reihen sich Geschäfte und Boutiquen, Bodegas, Bars, Cafès, Eisdielen und Restaurants wie Perlen an einer Schnur. Letztere sind oft auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiert. Der Trubel im Sommer ist legendär, ein ruhiger Spaziergang durch die leeren Gassen im Winter Balsam für die Seele ...

Der größere Teil der Stadt ist neu und modern

Doch der weitaus größere Teil der gesamten Stadt Peñiscola liegt auf dem Festland. Er ist neuer, moderner und durchaus nicht weniger interessant. Als Zentrum gilt hier ein großer Kreisverkehr namens Plaza de la Constitucion, an den sich eine parkähnliche Anlage mit einem ausgedehnten Teich anschließt. Hier fühlen sich viele Wasservögel, Möven und Tauben zu Hause. Holzbrücken für Fußgänger führen darüber hinweg. Ein schöner Platz zum Spazierengehen mit den Kindern. Drei ausgewachsene Gänse stehen unter dem Schutz aller Anwohner. Wenn sie im gemütlichen Gänsemarsch den Kreisverkehr überqueren, wagt kein Auto die Weiterfahrt. Das Wasser, in diesem Falle Süßwasser, kommt über Kanäle aus einem einzigartigen, mit Schilf bestandenem Sumpfgebiet, das sich über einige Kilometer parallel zum Meeresstrand in Richtung des Nachbarortes Benicarlo dahinzieht. Ich gehe an dieser Stelle nicht näher darauf ein, weil es im Menü noch einen eigenständigen Beitrag dazu gibt (Die andere Seite von Peñiscola).

Das architektonisch sehr gelungene Hotel "Don Carlos" mit einem einmaligen Pool auf dem Dach mit Glasboden

Der Teich im Zentrum der Neustadt mit einer gefälligen Parkanlage drum herum, die zum Bummeln oder Spazierengehen einlädt

Rund um den Teich haben sich in den vergangenen Jahren wichtige Gebäude etabliert: Als erstes zu nennen wären da der Kulturpalast "Palau de Congressos". Hier finden alle wichtigen, großen Veranstaltungen statt, einschließlich Theater, Ballett und Konzerten. Weiterhin das sogenannte Stadthaus "Edificio Sociocultural", das eine Lücke zum Konsum-Supermarkt schloß, das neue, architektonisch sehr gelungene Hotel „Don Carlos“ und schließlich als neuester Bau das nunmehr großzügig ausgelegte Gesundheitszentrum mit Notaufnahme. Es ersetzt die alte Ambulanz in der Nähe des Hafens am Fuße der Altstadt. In nördlicher Richtung zum Teich ist ein ganzes Stadtviertel neu entstanden. Es entwickelt von Jahr zu Jahr mehr seine urbane Kraft mit der Eröffnung von Geschäften, Bars und Dienstleistungseinrichtungen. Gebaut wird im Augenblick so gut wie nichts mehr. Der Beginn der ökonomischen Krise beendete den wahnwitzigen Bauboom, der Peñiscola in Windeseile bis fast zur Nationalstraße expandieren ließ. Zahlreiche Urbanisationen sind im Zuge dieser Bautätigkeit entstanden. Manche stehen noch heute so da, wie sie der Beginn der Krise erwischt hat: im Rohbau, unvollendet und unbewohnt. Der Preis dafür ist der Verlust von Grün, großer landwirtschaftlicher Flächen. Es herrschte Goldgräberstimmung. Die alten Bauern, ohnehin geplagt von Nachwuchssorgen, ergriffen die Gelegenheit, verkauften teuer ihr Land und gingen mit dem Geld in den Ruhestand. Gemüsefelder, Oliven- und Mandelbaumplantagen wichen den Bulldozern, das Grün verschwand, der Beton und der Asphalt kamen.

Blick von der Altstadt zur Neustadt über den Strand hinweg, der sich von hier aus über sechs Kilometer bis zum Nachbarort Benicarlo zieht (alle Fotos vom Autor)

Doch davon merkt der touristische Besucher kaum etwas. Das Zentrum der Neustadt rund um den großen Teich ist lebhaft und mannigfaltig mit Bars, Geschäften und Restaurants und lohnt ebenso einen Bummel wie die Altstadt. Am besten erschließt sich die Stadt in ihrer Gänze, wenn man auf dem großen freien Platz am Paseo Maritim mit dem Rücken zum Meer steht. Dann sieht man die Altstadt und die krönende Burg links auf dem Felsen liegen, den neueren Teil hat man greifbar nah direkt vor sich. Rechter Hand beginnt die endlose Reihe der Appartement-Häuser und Hotels, und im Hintergrund leuchten die weißen Villen und Ferienhäuser, die an den Hängen der umliegenden Hügel emporzuklettern scheinen.

PS

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